2023 | Garching (DE)Zweite Generation, erste ihrer Art
Im Zentrum für Virtuelle Realität und Visualisierung (V2C) des Leibniz-Rechenzentrums der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in Garching tauchen Forschende seit über einem Jahrzehnt in ihre eigenen Daten ein — von Simulationen der Vorgänge im Erdmantel über die Visualisierung des Blutflusses im menschlichen Körper bis zu digitalen Rekonstruktionen historischer Bauwerke. Herzstück ist die CAVE, ein begehbarer, an fünf Seiten bildgebender Würfel, in dem sich ganze Forschungsteams gemeinsam durch eine Simulation bewegen und sofort darüber austauschen können. Die ursprüngliche, projektionsbasierte Anlage wurde ebenfalls von Kraftwerk Living Technologies errichtet — für ihre Ablöse durch eine vollständig LED-basierte CAVE entschied sich das LRZ erneut für KLT.
Die neue Anlage ersetzt Rückprojektion, Projektoren und Spiegelstrecken durch 1.620 randlose LED-Panels in 225 Cabinets, verbunden über rund 3,25 km Kabel. Jede der fünf Flächen löst mit 2.400 × 2.430 Pixeln bei 1,25 mm Pixelpitch auf — deutlich mehr als die 1.920 × 1.920 Pixel der Vorgängeranlage — und stellt stereoskopisch mit 120 Bildern pro Sekunde dar, also 60 Bildern je Auge. Ein optisches Trackingsystem der neuesten Generation mit vier Deckenkameras führt die Perspektive verzögerungsfrei nach; ein Cluster aus sieben Knoten, davon fünf für die Bilderzeugung, liefert die Inhalte. Weil der Bauraum für Projektoren und Umlenkspiegel entfällt, konnten die Bildflächen im selben Raum um 30 Zentimeter wachsen. Im Betrieb zeigt sich der zweite Vorteil: keine Lampenwechsel, keine Justage von Projektionsgeometrien — einzelne LED-Module lassen sich mit wenigen Handgriffen tauschen.
Kraftwerk Living Technologies verantwortete die Installation der Anlage. Entstanden ist eine Forschungsinfrastruktur, die nach Einschätzung des LRZ zu den ersten vollständig LED-basierten CAVEs überhaupt zählt — und die im Alltag vor allem eines liefert: ein homogenes, ruckelfreies Bild, das auch dann nicht bricht, wenn Betrachter:innen sich drehen, näher herantreten oder in Details hineinzoomen. Genau dort, wo Immersion bislang an der Technik scheiterte, bleibt jetzt der Blick auf die Wissenschaft frei.
Weiterführende Links:
Das LRZ über die Inbetriebnahme der LED CAVE



